Wirtschaftsweise warnt
Globaler Domino-Effekt der Schuldenkrise
Nur durch einen konsequenten Schuldenabbau kann eine Eskalation der Schuldenkrise in Europa verhindert werden. Diese Warnung schickt die Wirtschaftsweise Weder di Mauro an die Regierungschefs.
Die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro hat vor einer globalen Eskalation der Euro-Schuldenkrise gewarnt. "Die unmittelbare Gefahr liegt in der Euro-Zone, aber sie kann ausstrahlen auf die ganze Welt", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". "Ein globaler Rückschlag ist möglich." Eine Eskalation könne nur aufgehalten werden, wenn die europäischen Regierungen noch konsequenter zum Schuldenabbau übergingen und rasche Reformen einleiteten. Ein radikaler Abbau der Schulden sei alternativlos, sagte die Wirtschaftsweise.
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Schuldenabbau dauert Jahrzehnte
Jedoch könne sich der Schuldenabbau noch über mehrere Jahrzehnte hinziehen, sagte Weder die Mauro der Zeitung. Angestrebt werde das Ziel, dass alle Euro-Länder in rund 20 Jahren einen Schuldenstand in Höhe von 60 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung erreichten. Das entspricht den Kriterien des Vertrags von Maastricht. Angesichts von Szenarien für einen möglichen Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone warnte die Professorin aber vor einem Zerfall der Währungsunion.
Eine Wiedereinführung etwa der Drachme bedeute, dass alle Schulden, die auf Euro lauteten, um ein Vielfaches höher wären und nicht zurückbezahlt werden könnten. "Der Staat, das Bankensystem und weite Teile des Unternehmenssektors wären damit bankrott."
(AFP, N24)
14.11.2011 09:05 Uhr

Das zweite Hilfspaket für Griechenland

Kontrollen
Von einem Treuhandkonto werden Zinsen und Tilgungen beglichen. So wird sichergestellt, dass Griechenland als erstes Schulden zurückzahlt und das Geld nicht für andere Dinge ausgibt. Eine Task Force von EU-Kommission, IWF und Europäischer Zentralbank wird dauerhaft ins Land geschickt. Sie soll Hilfe leisten und überwachen, dass Griechenland alle Versprechen einhält.

Bedingungen
Voraussetzung für die Kredite und den Schuldenerlass sind umfangreiche Einschnitte und Reformen. Milliarden müssen eingespart werden, etwa bei Renten, Arzneimitteln und Militärausgaben. Staatsvermögen und Staatsunternehmen sollen verkauft, ganze Wirtschaftsbereiche liberalisiert werden. Anfang März prüft die Eurogruppe, ob die Gesetze auf den Weg gebracht wurden.

Schuldenschnitt
Die privaten Gläubiger verzichten auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen. So sollen die griechischen Staatsschulden von 350 Milliarden Euro um 107 Milliarden Euro gedrückt werden. Ziel ist es, die Staatsverschuldung von heute 160 Prozent auf 120,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2020 zu senken.

Garantien
Mit weiteren 30 Milliarden Euro sollen die Anleihen privater Geldgeber abgesichert werden. Damit erhalten Banken, Versicherungen und Fonds einen Anreiz, ihre alten Griechenland-Anleihen in neue zu tauschen.

Kredite
Die Euro-Länder stellen bis zu 100 Milliarden Euro an Krediten zur Verfügung. Die Zinsen sind sehr niedrig: Sie beginnen bei 2 Prozent und steigen erst nach 2020 auf 4,3 Prozent. Für die Kredite aus dem ersten Hilfspaket von 2010 werden die Zinsen halbiert.
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