60-Prozent-Plus seit 2009

Deutscher Export von Kriegswaffen boomt

Der Export von Kriegswaffen aus Deutschland hat einen Rekordwert erreicht. 2,1 Milliarden Euro verdiente die heimische Rüstungsindustrie 2010 durch Verkäufe von Panzern, Kriegsschiffen und Co.

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Der Kampfpanzer Leopard 2 gehört zu den deutschen Exportschlagern. (dpa)
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Die deutsche Rüstungsindustrie boomt. Mit Waffenausfuhren im Gesamtwert von rund 3,1 Milliarden Dollar war Deutschland ...
... im Jahr 2010 der drittgrößte Rüstungsexporteur der Welt, nach den USA (6,9 Mrd.) und Russland (4,4 Mrd.).
Zu den größten Herstellern mit deutscher Beteiligung gehören EADS, Rheinmetall, Krauss-Maffei Wegmann, Thyssen Krupp und Diehl Defence. (Bild: Darkone, Wikipedia, cc-by-sa 2.5)
Wertmäßig am meisten ins Gewicht fallen Flugzeuge wie der "Eurofighter" (Stückpreis rund 80 Mio. Euro) sowie Kriegsschiffe und Unterseeboote. (Bild: Markus Zinner, Wikipedia, cc-by-sa 3.0)
Der "Eurofighter" ist ebenso wie der Kampfhubschrauber "Tiger" (Stückpreis rund 45 Millionen Euro) ein Produkt des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS.
Dieser stellt auch den NATO-Transporthubschrauber NH90 (rund 16 Mio. Euro) her, der bisher von 14 Ländern in teils hohen Stückzahlen geordert wurde. (Bild: Esercito.difesa.it, Wikipedia, cc-by 2.5)
Noch weitaus teurer sind die Fregatten und Schnellboote, die in Deutschland zum Beispiel von dem Stahl- und Rüstungskonzern ThyssenKrupp ...
... produziert werden. Dieser stellt auch Kampf-U-Boote verschiedenster Klassen für den weltweiten Vertrieb her - ein Milliardenmarkt.
Heiß begehrt sind auch die Armeefahrzeuge des Münchner Herstellers Krauss-Maffei Wegmann, insbesondere der Kampfpanzer "Leopard 2". Dessen ... (Bild: Friedrich Böhringer, Wikipedia, cc-by-sa 2.5)
... hochpräzise 120-mm-Glattrohrkanone der Firma "Rheinmetall" (hier die Innenansicht) wird auch in anderen Panzern eingesetzt, so etwa im "M1 Abrams" der US-Armee.
Ebenfalls von Krauss-Maffei Wegmann stammen der Transporter Dingo, der in zahlreichen Staaten im Einsatz ist, sowie ... (Bild: ISAF Headquarters Public Affairs Office, Wikipedia, cc-by 2.0)
der Schützenpanzer "Puma", der ab 2013 nach und nach den in die Jahre gekommenen "Marder" ersetzen soll. (Bild: Sonaz, Wikipedia, cc-by 3.0)
Ebenfalls aus dem Hause Krauss-Maffei Wegmann stammt die "Panzerhaubitze 2000", die neben der Bundeswehr in drei weiteren Armeen eingesetzt wird. (Bild: Isafmedia, Wikipedia, cc-by 2.0)
Die Firma Diehl Defence aus Überlingen am Bodensee produziert Raketen wie die "IRIS-T" sowie Granaten und Munition für den weltweiten Einsatz. (Bild: Owly K, Wikipedia, cc-by-sa 3.0)
Weltweit im Einsatz ist auch das Sturmgewehr "G36" der Firma Heckler & Koch. Neben den Streitkräften wird es auch bei vielen Spezialeinheiten der Polizei genutzt.
Seit 2005 stellt Heckler & Koch das Maschinengewehr "MG4" her. Neben den deutschen Streitkräften ist dieses auch in der spanischen Armee im Einsatz. (Bild: Spike78, Wikipedia, cc-by-sa 3.0)
Ab 2012 liefert Heckler & Koch den Granatwerfer "XM25" an die US-Armee. Die programmierbare Munition soll besonders präzise Kampfhandlungen ermöglichen.
Eine der meistverbreiteten Panzerabwehrwaffen weltweit ist die "MILAN" des europäischen Herstellers MBDA, der auch in Deutschland produziert. Über EADS ist auch Deutschland daran beteiligt. (Bild: Comm2007, Wikipedia, cc-by-sa 3.0)
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Deutschland liegt beim Export von Rüstungsgütern ganz weit vorn. Laut dem schwedischen Friedensforschungsinstituts Sipri liegt die Bundesrepublik hinter den USA und Russland auf Platz drei. (dpa)
Besonders begehrt: Der Leopard 2. 1979 wurde der Panzer beim deutschen Heer eingeführt und weiter entwickelt. Er kann sich um die eigene Achse drehen und durch tiefes Gewässer fahren. (dpa)
Der Schützenpanzer vom Typ Puma ist leichter und flexibler als der Leopard. Die Hersteller Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall liefern den Panzer und hoffen, dass er zum Exportschlager wird. (dpa)
Dieselmotoren für Militärfahrzeuge laufen schon jetzt gut im Ausland. Zwar gehören sie mit Stückpreisen zwischen 40.000 und 70.000 Euro zu den billigen Rüstungsgütern. Doch die Masse macht's bekanntlich. (dpa)
Deutsche U-Boote und Fregatten erweisen sich ebenfalls als Verkaufsschlager. Die neuen Brennstoffzellenboote des Typs U212A sind fast lautlos und besonders effizient. Mit der neuen...(dpa)
...Fregatte der Klasse F-125 lassen sich Piraten jagen und internationale Handelsrouten besser schützen. (dpa)
Das Problemkind: Der Kampfhubschrauber Tiger. Er sollte das europäische Pendant zum berühmten amerikanischen Apache werden - nur besser! Doch der Hubschrauber hat technische Mängel. (dpa)
Das Flugabwehrsystem MEADS soll ab 2014 die Patriot-Raketen ablösen. Es wird von Lockheed Martin Corp, Alenia Maraconi und dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS entwickelt. (dpa)
Der schnelle Transport von Einsatzkräften benötigt große Transportflugzeuge. Der Airbus A400M soll das übernehmen. Die Produktion läuft. Frankreich bekommt 2013 die erste Maschine. (dpa)
Auch beim Export von kleinen Waffen liegt die Bundesrepublik ganze weit vorn. 2008 wurden kleine und leichte Waffen im Wert von knapp einer halben Milliarde US-Dollar ausgeführt. (dpa)

Der deutsche Export von Kriegswaffen hat einen Rekordwert erreicht: Die Rüstungsindustrie nahm im vergangenen Jahr mit dem Verkauf von Panzern, Kriegsschiffen oder Maschinengewehren 2,1 Milliarden Euro ein und damit rund 60 Prozent mehr als 2009. Seit 1997 wurden noch nie so viele Kriegswaffen aus Deutschland ins Ausland geliefert. Der größte Teil ging allerdings in NATO-Länder. Ein politisch höchst brisantes Geschäft könnte den Export weiter ankurbeln: Nach einem Bericht der "Zeit" hat Saudi-Arabien die Kaufabsicht für 270 Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 bestätigt.

Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien gelten wegen der Menschenrechtslage in dem Land als besonders umstritten. Berichte über den geplanten Export von Leopard-2-Kampfpanzern hatten vor einigen Monaten für eine heftige Debatte über die Rüstungsexportpolitik der Bundesregierung geführt. Saudi-Arabien steht mit einem Exportvolumen von 152,4 Millionen Euro auf Platz zehn der wichtigsten Zielländer bei den Ausfuhrgenehmigungen für Rüstungsgüter. Dabei geht es aber nur zu einem geringen Teil um Kriegswaffen, sondern vor allem um Güter wie Kommunikationsausrüstung, Simulatoren oder Lastkraftwagen.

Saudi-Arabien will aufrüsten

Die "Zeit" berief sich in ihrem Bericht über das geplante Leopard-Geschäft auf General Abdullah al-Saleh vom saudischen Verteidigungsministerium und den Militärattaché der deutschen Botschaft in der Hauptstadt Riad. Der saudische General wird mit den Worten zitiert, sein Land müsse sich gegen "gefährliche Nachbarn" schützen. Saudi-Arabien sei aber keine aggressive Nation.

Bisher war lediglich bekannt, dass der für Rüstungsexporte zuständige Bundessicherheitsrat eine Voranfrage der Firma Krauss-Maffei Wegmann über 200 Panzer im Sommer dieses Jahres positiv beschieden hatte. Offiziell verweigert die Regierung jeden Kommentar. Die Opposition hatte den möglichen Deal mit dem autoritär regierten Land scharf kritisiert. Ein Sprecher von Krauss-Maffei Wegmann erklärte am Mittwoch lediglich, dass bisher kein Auftrag vorliege.

Auch Pakistan kauft ein

Insgesamt gingen die Ausfuhrgenehmigungen für alle Rüstungsgüter 2010 von 6,9 Milliarden Euro auf 5,4 Milliarden Euro zurück. Nummer eins auf der Liste der Abnehmerländer ist Portugal mit 811 Millionen Euro - aber nur wegen eines Großauftrags für U-Boote, Teile für Kampfschiffe und Unterwasserortungsgeräte. Dahinter folgen die USA und Großbritannien. Aber auch in instabile Länder werden Rüstungsgüter geliefert. Für Pakistan wurden Exporte im Wert von 96 Millionen Euro genehmigt.

Opposition mahnt Transparenz an

Die SPD sprach von einem Richtungswechsel in der Rüstungsexportpolitik. "Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Deutschland baut seine Stellung bei Produktion und Verkauf von Rüstungsgütern aus", erklärte Verteidigungsexperte Klaus Barthel.

Grünen-Chefin Claudia Roth mahnte erneut mehr Transparenz an. Es könne nicht sein, dass die deutsche Öffentlichkeit aus Saudi-Arabien erfahre, in welchem Umfang Deutschland Panzer liefere. "Dieser Vorgang lässt tief in die unfassbaren Abgründe blicken, die sich in der deutschen Außenpolitik aufgetan haben", sagte sie. "Die Regierung Merkel handelt nicht mehr wertegeleitet, sondern orientiert sich an den Scheckbuchwerten der Rüstungsindustrie." Der Linken-Politiker Jan van Aken sagte, die Rüstungskontrolle sei unwirksam. "Jeder Euro, der am Krieg verdient wird, ist ein Euro zu viel", sagte er.

(dpa, N24)

07.12.2011 18:16 Uhr

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