Glücksunterricht
Wie Schüler gute Laune lernen
Was ist Glück? Am Hundehaufen vorbeigelaufen zu sein? Ein Sechser im Lotto? Können Lehrer Glück anerziehen? Rund hundert Schulen bieten schon Glücksunterricht an.
Kinderarmut, Scheidungsboom, Leistungsdruck in der Schule - die viel beschworene glückliche Kindheit scheint hierzulande nicht mehr selbstverständlich zu sein. Um das Wohlbefinden der Kleinen zu steigern, versuchen sich Eltern und Schulen am sogenannten Konzept der Glückserziehung. An manchen Schulen ist Glück sogar ein Unterrichtsfach.
Seit 2007 gibt es an der Willy-Hellpach Berufsschule in Heidelberg das Fach Glück. Der Direktor Ernst Fritz-Schubert hat dazu mehrere Bücher geschrieben. Darin heißt es etwa: "Bei der Glückserziehung geht es natürlich nicht darum, Kinder und Jugendliche zu Glücksjägern zu machen, die ständig auf der Suche nach dem nächsten Kick sind, um die Summe ihrer Glücksmomente zu maximieren." An anderer Stelle folgert er: "Es hilft unseren Kindern jedenfalls nicht, wenn wir ihnen alle Hindernisse aus dem Weg räumen." Der Mensch sei vor allem dann glücklich, wenn er eine schwierige Lebenssituationen bewältige.
Kinder müssen positiv über ihre Mitschüler reden
Und so sieht der Glücksunterricht aus: Die Schüler sprechen laut aus, worüber sie sich am Tag freuen. Es folgt Stopptanz: Zu Musik vom Rekorder tanzen sie. Stoppt die Musik, soll die Bewegung einfrieren. Wer zu spät ist, fliegt raus. Danach müssen die Kinder etwas positiv über ihre Mitschüler reden. Außerdem gehören zum Lehrplan für die Glücks-Stunden der Umgang mit Konsum und Verzicht, das Sichern eines Schulkameraden beim Klettern und gemeinsame Langstreckenläufe.
Das Konzept kommt aus London
Im deutschen Sprachraum arbeiten mittlerweile über 100 Schulen nach dem Konzept von Fritz-Schubert. Der wollte, vom Wellington College in London inspiriert, den alten Bildungsbegriff mit den Ideen der Positiven Psychologie und Glücksforschung verbinden. Dass die Schule in der Beliebtheitsskala der Schüler noch hinter der Zahnarztpraxis rangiert, machte ihm Sorgen. Besonders in Süddeutschland und Österreich verbreiteten sich seine Ideen.
Der Nutzen ist umstritten
Der Nutzen des Schulfachs Glück ist allerdings umstritten. "Ob die Kinder, die das Schulfach Glück haben, wirklich glücklicher sind als andere, das müssen Studien erst einmal zeigen", sagt der Religionspädagoge und Buchautor Anton Bucher. Wertvolle Erkenntnisse der Glücks-Übungen sind laut Bucher, dass Schüler die Bedeutung von Lob und Anerkennung lernen, den Umgang mit anderen üben und erfahren, dass man ihnen etwas zutraut. "Vielleicht ist es ein guter Gegenakzent zum Leistungsdruck und Zeitmangel bei den Kindern", sagt die Erziehungswissenschaftlerin Sabine Andresen.
(N24, dpa)
11.01.2012 17:36 Uhr




