Die Folgen des Tsunamis vom März 2011 werfen einen dunklen Schatten auf Japans Wirtschaftsbilanz. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt weist erstmals seit 31 Jahren ein Handelsdefizit auf.
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Die Folgen der Erdbebenkatastrophe und ein starker Yen haben der Exportnation Japan zum ersten Mal seit 31 Jahren ein Handelsdefizit beschert. 2011 überstiegen die Einfuhren die Ausfuhren nach offiziellen Angaben um 2,49 Billionen Yen (25 Milliarden Euro). Toyota büßte seinen Titel als größter Autoexporteur der Welt ein, zugleich stiegen nach der Atomkatastrophe von Fukushima die Importkosten für Energie.
Der Wert der Importe nahm im Vergleich zu 2010 vor allem wegen der Einfuhr von Rohöl und Flüssiggas um 12,0 Prozent zu, wie das Finanzministerium in Tokio mitteilte. So stiegen die Ausgaben für Rohöl im Jahresvergleich um 21,3 Prozent, für Flüssiggas um 37,5 Prozent und für Erdölprodukte sogar um 39,5 Prozent. Als Folge der Katastrophe von Fukushima waren Ende 2011 von 54 japanischen Atomkraftwerken nur sechs am Netz. Kurz- und mittelfristig wird das Land weiter auf Ölimporte angewiesen sein.
Die Exporte gingen 2011 um 2,7 Prozent zurück. Dafür waren vor allem rückläufige Ausfuhrzahlen der Autohersteller (minus 12,1 Prozent) und der Halbleiterindustrie (minus 14,2 Prozent) verantwortlich. Beide Branchen litten besonders unter den Folgen des Erdbebens und des Tsunamis vom 11. März, weil Fabriken beschädigt oder völlig zerstört wurden und Lieferketten wochenlang unterbrochen waren. Als sich die Betriebe gerade etwas erholt hatten, sorgte das Hochwasser in Thailand im Herbst für neue Probleme: Die Zulieferung von Einzelteilen und Fertigerzeugnissen geriet abermals ins Stocken.
Toyota litt besonders unter den Folgen der Erdbebenkatastrophe und verkaufte im vergangenen Jahr nur noch 7,95 Millionen Autos weltweit. Im Vergleich zu 2010 gingen die Verkaufszahlen, die die Marken Toyota, Lexus, Daihatsu sowie die Lastwagen-Tochter Hino einschließen, um 6,0 Prozent zurück. Toyota hatte die Liste der größten Autohersteller der Welt von 2008 bis 2010 angeführt. Im vergangenen Jahr wurden die Japaner vom US-Hersteller General Motors (9,03 Millionen verkaufte Autos), Volkswagen (8,16 Millionen Autos) und dem französisch-japanischen Konkurrenten Renault-Nissan (8,03 Millionen Autos) überholt.
Vorsichtiger Optimismus
Verstärkt wurden die Probleme im vergangenen Jahr durch die historische Stärke der japanischen Landeswährung Yen, die die Ausfuhr von in Japan gefertigten Waren verteuerte. Investoren flüchteten angesichts der angespannten Lage an den internationalen Finanzmärkten in den sicheren Yen.
Im zweiten Halbjahr 2011 gingen die Einnahmen der japanischen Firmen auch wegen der Schuldenkrise in der Euro-Zone und der rückläufigen Weltkonjunktur zurück. Im Handel mit der Europäischen Union verzeichnete Japan allerdings immer noch einen Exportüberschuss. Aber auch dieser ging im Vergleich zu 2010 um 31,3 Prozent zurück.
Experten der japanischen Zentralbank hatten sich am Dienstag dennoch vorsichtig optimistisch gezeigt: Für die erste Hälfte des am 1. April beginnenden Fiskaljahres 2012/2013 werde Japan schrittweise wieder auf den Erholungspfad zurückkehren. Die Währungshüter rechnen mit einem Wirtschaftswachstum von 2,0 Prozent - im Oktober waren sie jedoch noch von 2,2 Prozent ausgegangen.