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Sparen und Wachstum

Merkel sucht den goldenen Mittelweg

Angela Merkel will in der EU solide Haushalte und Investitionen für mehr Wachstum in Einklang bringen. Beides schließe sich nicht aus, erklärte die Bundeskanzlerin vor dem EU-Gipfel in Brüssel.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm ESM an die Beteiligung am geplanten Fiskalpakt koppeln. (Bild: dpa)
Video: Weltwirtschaftsforum - Merkel warnt vor Überlastung
Video: US-Nullzinspolitik - Fed garantiert billiges Geld bis Ende 2014

Der mit Spannung erwartete EU-Gipfel soll nach dem Willen von Kanzlerin Angela Merkel nicht nur Sparbeschlüsse fällen, sondern auch mehr Wachstum und Beschäftigung anregen. Solide Haushalte und Wachstum in der EU seien keine Gegensätze, sagte die CDU-Vorsitzende in Berlin. Ausdrücklich unterstützte sie den Vorstoß, nicht abgerufene EU-Fördermittel bis Ende 2013 umzuwidmen und in die Beschäftigungspolitik zu stecken. Laut Kommissionskreisen geht es um bis zu 83 Milliarden Euro.

Niemand in Europa setze einseitig aufs Sparen, versicherte Merkel nach einem Treffen mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy. Deshalb ist es aus Sicht der Kanzlerin richtig, beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am Montag in Brüssel einerseits den geplanten Fiskalpakt zum Schuldenabbau zu schmieden, zugleich aber auch Wege für mehr Wachstum zu finden. Hintergrund sind Befürchtungen vieler Experten, wonach die Eurozone außer Deutschland 2012 in eine Rezession abrutscht.

Athen beim Sparen "nicht in der Spur"

Die zäh verlaufende Umschuldung Griechenlands steht laut Merkel am Montag nicht auf der Tagesordnung. Hauptgrund sei, dass der neue Bericht der "Troika" aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und EZB nicht rechtzeitig fertig werde. Die Beratungen mit den privaten Gläubigern über den Schuldenschnitt dauerten an. Ob sich die Europäische Zentralbank beteiligt, wurde in Berliner Regierungskreisen offengelassen. Nach dem Troika-Bericht müsse aber "sehr schnell" entschieden werden. Das griechische Programm sei derzeit "nicht ganz in der Spur".

Zur Umwidmung von EU-Fördergeldern hieß es aus den Regierungskreisen, der Plan sei nicht als Konjunkturprogramm gedacht. Doch seien in manchen Ländern die EU-Fördermittel nur zu 30 Prozent ausgeschöpft. Profitieren soll demnach zum Beispiel Italien, wo es bereits konkrete Projekte gebe. Auch Spanien und Portugal solle so geholfen werden. Für Griechenland waren die Ko-Finanzierungsanforderungen bereits Ende 2011 gesenkt worden.

Rettungsschirm wird an Fiskalpakt geknüpft

Wie die Arbeitslosigkeit bekämpft werden könne, vor allem die Jugendarbeitslosigkeit, werde ebenfalls besprochen. Hier werde es einen Austausch "unangenehmer Wahrheiten" zu Reformen geben, die in einem "europäischen Geleitzug" besser national durchgesetzt werden könnten, hieß es in Regierungskreisen. Auch sollten der Binnenmarkt gestärkt und die bürokratischen Lasten von kleinen und mittleren Firmen erleichtert werden. Diese Unternehmen brauchten auch einen besseren Zugang zur Finanzierung.

Weiter hieß es von hohen Regierungsvertretern, nur wer den Fiskalpakt mit seiner Schuldenbremse ratifiziere und umsetze, könne später auch in den Genuss von Hilfen aus dem dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM kommen. Die Frist dafür betrage zwei Jahre: Ein Jahr für die Ratifizierung, ein weiteres für die Umsetzung in nationales Recht. Noch sei offen, ob in diesem Jahr eine zweite Tranche für das ESM-Kapital eingezahlt werden müsse. Wer sich nicht an die Schuldenbremse halte, solle beim Europäischen Gerichtshof verklagt werden können - aber laut derzeitigem Stand nicht von der Kommission, wie dies die Bundesregierung wünsche, sondern nur von Einzelstaaten.

(dapd, N24)

26.01.2012 17:13 Uhr

Das zweite Hilfspaket für Griechenland

öffnenschließenKontrollen Von einem Treuhandkonto werden Zinsen und Tilgungen beglichen. So wird sichergestellt, dass Griechenland als erstes Schulden zurückzahlt und das Geld nicht für andere Dinge ausgibt. Eine Task Force von EU-Kommission, IWF und Europäischer Zentralbank wird dauerhaft ins Land geschickt. Sie soll Hilfe leisten und überwachen, dass Griechenland alle Versprechen einhält.

öffnenschließenBedingungen Voraussetzung für die Kredite und den Schuldenerlass sind umfangreiche Einschnitte und Reformen. Milliarden müssen eingespart werden, etwa bei Renten, Arzneimitteln und Militärausgaben. Staatsvermögen und Staatsunternehmen sollen verkauft, ganze Wirtschaftsbereiche liberalisiert werden. Anfang März prüft die Eurogruppe, ob die Gesetze auf den Weg gebracht wurden.

öffnenschließenSchuldenschnitt Die privaten Gläubiger verzichten auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen. So sollen die griechischen Staatsschulden von 350 Milliarden Euro um 107 Milliarden Euro gedrückt werden. Ziel ist es, die Staatsverschuldung von heute 160 Prozent auf 120,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2020 zu senken.

öffnenschließenGarantien Mit weiteren 30 Milliarden Euro sollen die Anleihen privater Geldgeber abgesichert werden. Damit erhalten Banken, Versicherungen und Fonds einen Anreiz, ihre alten Griechenland-Anleihen in neue zu tauschen.

öffnenschließenKredite Die Euro-Länder stellen bis zu 100 Milliarden Euro an Krediten zur Verfügung. Die Zinsen sind sehr niedrig: Sie beginnen bei 2 Prozent und steigen erst nach 2020 auf 4,3 Prozent. Für die Kredite aus dem ersten Hilfspaket von 2010 werden die Zinsen halbiert.

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