Harte Sparmaßnahmen

US-Militär schließt deutsche Standorte

Eine halbe Billion Dollar soll das US-Militär in den nächsten Jahren einsparen. Pentagon-Chef Panetta setzt den Rotstift auch in Europa an und löst zwei in Deutschland stationierte Brigaden auf.

Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.

Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:

Die US-Armee löst zwei ihrer Brigaden in Deutschland auf, darunter auch die 170. Infanteriebrigade in Baumholder. (Bild: dpa)

Der Stabschef des US-Heeres, General Raymond Odierno, hat den Abzug zweier Kampfbrigaden aus Europa für 2013 und 2014 angekündigt. Die in Deutschland stationierten Einheiten würden nicht abgezogen, sondern aufgelöst, sagte Odierno. Bei den Einheiten handelt es sich um die 172. Infanteriebrigade mit Standorten in Grafenwöhr und Schweinfurt und die 170. Infanteriebrigade in Baumholder. Die negativen Folgen für die Standorte sollten abgefedert werden, indem andere Einheiten in die Regionen zu Übungen mit anderen NATO-Partnern geschickt würden.

In Europa würden damit noch zwei Brigaden verbleiben, eine in Vilseck in der Oberpfalz und eine im italienischen Vicenza. Insgesamt wollen die USA mit deutlichen Einschnitten bei den Militärausgaben in den kommenden zehn Jahren knapp eine halbe Billion Dollar einsparen. Die Zahl der Soldaten soll um insgesamt etwa 100.000 reduziert werden, wie Verteidigungsminister Leon Panetta in Washington mitteilte.

Baumholder wird nicht komplett aufgegeben

Das rheinland-pfälzische Innenministerium erklärte in Mainz, die Landesregierung gehe davon aus, dass der Standort Baumholder nicht komplett aufgegeben werde. Dies sei von US-Seite in Gesprächen signalisiert worden. Außerdem gibt es nach Angaben von Beobachtern Pläne, das Ausbildungszentrum in Grafenwöhr beizubehalten. Möglicherweise könnten auch Einheiten von anderen deutschen Standorten des US-Militärs dorthin verlegt werden. Panetta hatte zudem Mitte Januar erklärt, künftig sollten Einheiten nicht nur in Europa, sondern auch in Afrika und Lateinamerika innerhalb eines Rotationsverfahrens regelmäßig den Standort wechseln.

Laut Panetta ist weiter geplant, den Kauf neuer Kampfjets aufzuschieben sowie ältere Flugzeuge und Schiffe auszumustern. Die Gesamthöhe der Einsparungen bis 2022 soll nach Willen der Regierung von Präsident Barack Obama bei 487 Milliarden Dollar (371 Milliarden Euro) liegen. Das Heer soll demnach um 80.000 auf 490.000 Soldaten schrumpfen. Bei der Marine ist eine Kürzung von 202.000 auf 182.000 Soldaten geplant. Steigen wird das US-Militärbudget zunächst trotzdem - allerdings weniger, als vor der Einigung von Demokraten und Republikanern auf einen Abbau des Staatsdefizits geplant.

Kritik von Republikanern

Ziel sei es, trotz der Einsparungen weiter die stärkste Militärmacht der Welt zu bleiben und die US-Streitkräfte nicht auszuhöhlen, sagte Panetta. Die Kritik von den Republikanern kam dennoch prompt: Die Pläne brächten die Truppen zurück auf das Niveau vor den Anschlägen vom 11. September 2001 und setzten das Land großer Gefahr aus, sagte der Senator und Militärexperte John Cornyn. Der Kongress muss den Plänen noch zustimmen.

Die amerikanische Luftwaffe soll etwa zwei Dutzend Transportflugzeuge vom Typ C-5A und 65 weitere vom Typ C-130 ausmustern, wie aus einer Auflistung von Details hervorgeht. Weiter soll die Marine sieben Kriegsschiffe früher aus dem Dienst nehmen als bisher geplant und zudem den Kauf neuer Schiffe aufschieben. Auch die Aufrüstung der Luftwaffe mit neuen F-35-Jets werde sich verzögern, hieß es. Beim Sold sei ab 2015 eine Verlangsamung des Tempos der Erhöhungen vorgesehen.

Truppen sollen beweglicher werden

Die Pläne seien auch mit einer Verlagerung der Schwerpunkte der US-Streitkräfte verbunden, sagte Panetta. Anstelle der Kriege im Irak und in Afghanistan liege der Fokus künftig verstärkt auf Herausforderungen in Asien, im Nahen Osten sowie auf Operationen im Cyberspace. Vorgesehen sei zudem eine deutliche Stärkung von Spezialeinheiten wie den Navy SEALS, die im vergangenen Jahr in Pakistan den Al-Kaida-Chef Osama bin Laden töteten. Die Streitkräfte des Landes würden zu einer kleineren und beweglicheren Truppe gemacht, die schneller und besser auf Bedrohungen außerhalb der traditionellen Kriegsführung reagieren könne.

Für 2013 will Panetta ein Budget von 525 Milliarden Dollar sowie weitere 88 Milliarden Dollar für den Einsatz in Afghanistan fordern. Dies wären insgesamt 33 Milliarden weniger als im laufenden Jahr. Bis 2017 werde der Pentagon-Haushalt auf 567 Milliarden steigen, sagte der US-Verteidigungsminister. Gegenüber den ursprünglichen Plänen käme dies jedoch einer Einsparung von 259 Milliarden Dollar in fünf Jahren gleich. Bis 2022 würden es dann insgesamt 487 Milliarden sein.

(dapd, N24)

27.01.2012 21:50 Uhr

N24 in den Sozialen Netzwerken:

N24 auf Facebook N24 auf Twitter N24 auf Google+
SchließenSchließen Artikel versenden

Name des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*:


Ihre Mitteilung an den Empfänger:

Es gelten unsere Allgemeinen Nutzungsbedingungen

Sie befinden sich in: Nachrichten » Politik