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Staaten sollen verzichten

Banken-Schuldenschnitt rettet Athen nicht

Noch ist der Schuldenschnitt der Banken nicht in trockenen Tüchern. Doch selbst wenn die Vereinbarung steht, ist Griechenland nicht gerettet. Auch die Eurostaaten sollen auf Forderungen verzichten.

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Auch die Eurostaaten sollen auf einen Teil ihrer finanziellen Forderungen an Athen verzichten. (Bild: dpa)
Video: Euro-Krise - Griechenland braucht mehr Geld
Video: Euro-Krise - Kritik an Merkels Schuldenpolitik

In der Debatte um eine mögliche Pleite Griechenlands hat Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker die Eurostaaten aufgefordert, auf einen Teil ihrer Forderungen an das Land zu verzichten. Bei den Verhandlungen mit den Privatgläubigern über einen Schuldenschnitt sei das geplante Ziel nicht "ganz zu erreichen", sagte er der österreichischen Zeitung "Der Standard". Eine Summe für einen Verzicht der Gläubigerstaaten nannte Juncker, der auch Chef der Eurogruppe ist, in der Zeitung nicht.

Mit einem Teilerlass nicht nur der Banken könne das Ziel, die öffentliche Verschuldung Griechenlands bis zum Jahr 2020 auf "tragfähige" 120 Prozent zu reduzieren, noch erreicht werden, sagte er. Im "Handelsblatt" schloss Juncker nicht aus, dass auch die Europäische Zentralbank (EZB) Griechenland Schulden erlassen müsse. Dies halte er "nicht für völlig absurd", sagte er. Die Eurostaaten müssten Griechenland noch länger helfen als bisher diskutiert. Zehn Jahre reichten nicht aus, sagte Juncker der Zeitung.

Bundesregierung winkt ab

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) widersprach Forderungen nach weiteren Finanzhilfen vehement. "Ich kann keinen Sinn darin erkennen, dass jede Woche mehr Geld ins Schaufenster gelegt werden soll", sagte er in Brüssel. "Die öffentliche Hand ist schon mit unglaublichen, atemberaubenden Summen längst in der Verantwortung." Es gelte nun, den Bericht der sogenannten Troika zur Lage in Griechenland abzuwarten. Der "wird ganz entscheidend sein für das weitere Vorgehen", sagte Westerwelle.

Die Experten von EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und EZB prüfen derzeit in Athen, ob Griechenland die im Gegenzug für Notkredite vereinbarten Spar- und Reformziele erreicht. Auch der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, sagte in Berlin zu den Äußerungen über weitere Finanzhilfen, "Spekulationen dieser Art" hätten "keinen Sinn". Sie seien "eher geeignet, Verunsicherung zu schüren". Es sei wichtig, "auf Basis von Fakten und nicht Vermutungen" zu diskutierten, sagte Seibert.

Unzufriedenheit mit Athen

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kritisierte erneut mangelnde Sparbemühungen in Griechenland. "Vor zwei Jahren hat Griechenland Versprechen abgegeben, und nicht alle wurden gehalten", sagte er im schweizerischen Davos. Laut griechischen Medienberichten legte Regierungschef Lucas Papademos seinem Kabinett einen Plan mit neuen Sparvorhaben in Höhe von 2,2 Milliarden Euro vor.

Griechenland verhandelt seit Wochen mit den privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt, der Voraussetzung für ein neues Hilfspaket der Euroländer und des IWF in Höhe von 130 Milliarden Euro ist. Ziel ist ein Schuldenerlass der Privatgläubiger von 50 Prozent der Forderungen, was rund 100 Milliarden Euro entspricht. Hinzu kommen Zinsverluste. Die Verhandlungen stocken jedoch. Die EU-Kommission rechnet dennoch mit einem Abschluss der Gespräche vor dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs am Montag in Brüssel. Er gehe von einem Durchbruch spätestens am Wochenende aus, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn in Davos.

(AFP, N24)

27.01.2012 15:54 Uhr

Das zweite Hilfspaket für Griechenland

öffnenschließenKontrollen Von einem Treuhandkonto werden Zinsen und Tilgungen beglichen. So wird sichergestellt, dass Griechenland als erstes Schulden zurückzahlt und das Geld nicht für andere Dinge ausgibt. Eine Task Force von EU-Kommission, IWF und Europäischer Zentralbank wird dauerhaft ins Land geschickt. Sie soll Hilfe leisten und überwachen, dass Griechenland alle Versprechen einhält.

öffnenschließenBedingungen Voraussetzung für die Kredite und den Schuldenerlass sind umfangreiche Einschnitte und Reformen. Milliarden müssen eingespart werden, etwa bei Renten, Arzneimitteln und Militärausgaben. Staatsvermögen und Staatsunternehmen sollen verkauft, ganze Wirtschaftsbereiche liberalisiert werden. Anfang März prüft die Eurogruppe, ob die Gesetze auf den Weg gebracht wurden.

öffnenschließenSchuldenschnitt Die privaten Gläubiger verzichten auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen. So sollen die griechischen Staatsschulden von 350 Milliarden Euro um 107 Milliarden Euro gedrückt werden. Ziel ist es, die Staatsverschuldung von heute 160 Prozent auf 120,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2020 zu senken.

öffnenschließenGarantien Mit weiteren 30 Milliarden Euro sollen die Anleihen privater Geldgeber abgesichert werden. Damit erhalten Banken, Versicherungen und Fonds einen Anreiz, ihre alten Griechenland-Anleihen in neue zu tauschen.

öffnenschließenKredite Die Euro-Länder stellen bis zu 100 Milliarden Euro an Krediten zur Verfügung. Die Zinsen sind sehr niedrig: Sie beginnen bei 2 Prozent und steigen erst nach 2020 auf 4,3 Prozent. Für die Kredite aus dem ersten Hilfspaket von 2010 werden die Zinsen halbiert.

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