Die Präsidentschaftsbewerber der US-Republikaner haben die wirklich wichtigen Themen entdeckt. Bei einer TV-Debatte stritten sie um die Frage, ob man eine Kolonie auf dem Mond errichten sollte.
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Scharfe Wortgefechte, abenteuerliche Themen: Die Präsidentschaftsbewerber der US-Republikaner haben sich bei ihrer TV-Debatte ausführlich darüber gestritten, ob auf dem Mond eine Kolonie angelegt werden soll. Während Ex-Parlamentspräsident Newt Gingrich vehement für eine energische Wiederankurbelung der bemannten Raumfahrt eintrat, äußerten sich seine Kontrahenten skeptisch. Der Kongressabgeordnete Ron Paul lehnte gar jede weitere Reise zum Erdtrabanten strikt ab - man solle höchstens "Politiker auf den Mond schießen".
Weitere Themen der 19. Republikanerdebatte waren die persönlichen Finanzen von Ex-Gouverneur und Multimillionär Mitt Romney, illegale Einwanderung sowie die Frage, warum die Bewerber ihre jeweilige Ehefrau als potenziell gute "First Lady" betrachten. Hintergrund der Monddebatte: Die nächsten Vorwahlen am Dienstag sind in Florida - der dortige Nasa-Weltraumbahnhof Cape Canaveral liegt seit dem Aus der Shuttleflüge im vergangenen Jahr so gut wie lahm. Tausende Arbeitsplätze in Florida hängen an der Raumfahrt.
In Konkurrenz zu China
Ganz offenbar mit Blick auf diese Lage hatte Gingrich bereits zuvor eine Mondkolonie mit 13.000 Menschen ins Gespräch gebracht. Romney konterte: "Ich habe 25 Jahre in der Privatwirtschaft verbracht. Wenn ein Manager zu mir gekommen wäre und vorgeschlagen hätte, ein paar Hundert Milliarden Dollar in eine Kolonie auf dem Mond zu stecken, hätte ich ihm gesagt: Sie sind gefeuert." Gingrich beharrte auf einer Ankurbelung der Raumfahrt: Er wolle nicht, dass die Chinesen demnächst auf dem Mond landen, ohne dass nochmals Amerikaner dort waren.
Das Rennen der Republikaner ist weiterhin völlig offen. Es gab weder einen eindeutigen Sieger noch einen klaren Verlierer bei der Debatte. Bei der Abstimmung am Dienstag in Florida wird ein knappes Ergebnis erwartet. Experten gehen davon aus, dass das Rennen noch Wochen weitergehen wird. Endgültig entscheidet erst der Republikaner-Parteitag im Sommer, wer gegen Präsident Barack Obama antritt. Die Präsidentenwahlen sind am 6. November.
Wahlsystem
Das System zur Wahl des US-Präsidenten stammt aus dem 18. Jahrhundert. Kern des Systems: Der Präsident wird nicht direkt vom Volk gewählt. Die Bürger wählen stattdessen insgesamt 538 Wahlmänner - das sogenannte "electoral college" - , die dann den Präsidenten und seinen Stellvertreter wählen. Dadurch kann auch ein Politiker ins Weiße Haus einziehen, der nicht die Mehrheit der Stimmen des Volkes, der sogenannten popular votes, auf sich vereinigt hat. Gewählt wird der US-Präsident alle vier Jahre am ersten Dienstag im November. 2012 findet die Wahl daher am 6. November statt. Es ist die 57. der Geschichte.
Vorwahlen - "primaries" und "caucuses"
In Vorwahlen bestimmen die Amerikaner in jeweils unterschiedlichen Verfahren und über Umwege die Kandidaten, die dann letztlich zur Präsidentschaftswahl antreten. Die Wähler bestimmen in den Vorwahlen formal lediglich Wahlmänner, die bei dem Bundesparteitag, der "national convention" im Sommer vor der Wahl, den Kandidaten bestimmen. Diese Delegierten sind in ihrem Handeln an sich frei, halten sich aber faktisch an die Empfehlung. Die erste Vorwahl findet traditionell in Iowa statt. Sie ist dieses Mal auf den 3. Januar datiert. Bei den Vorwahlen unterscheidet man grundsätzlich zwischen "primaries" und "caucuses".
"Primaries" sind Wahlen, bei denen ein mehr oder weniger beschränkter Kreis von Personen stimmberechtigt ist. Die Bandbreite reicht von "open primaries" (jeder kann mitwählen) über "semi open primaries" (Wahlberechtigte müssen sich für die Vorwahl einer der beiden Parteien entscheiden) und "semi closed primaries" (wählen dürfen nur Parteimitglieder und Personen, die keiner Partei angehören) bis zu "closed primaries" (bei denen sich die Wähler öffentlich zu ihrer Parteipräferenz bekennen müssen, um stimmberechtigt zu sein).
"Caucuses" sind eine Art Parteitage, bei denen über die Kandidaten bestimmt wird. Dabei versammeln sich Parteimitglieder bzw. registrierte Anhänger einer Partei, um zu entscheiden. In mehreren Stufen wird so von der lokalen bis zur bundesstaatlichen Ebene gewählt. Den Abstimmungen gehen dabei zumeist Debatten voraus.
Nominierungsparteitage
Bei den Nominierungsparteitagen ("national conventions") küren die Parteien offiziell ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl. Diese nationalen Versammlungen finden stets im Hochsommer vor der Wahl statt, zu der traditionell Anfang November aufgerufen wird. Delegierte bestimmen dann den Kandidaten, wobei sie sich an die Ergebnisse der Vorwahlen halten.
3. Januar
Auftakt der Vorwahlen im US-Bundesstaat Iowa (Caucus). Dem Termin kommt eine besondere Bedeutung zu, denn Kandidaten, die dort schlecht abschneiden, geben oft auf.
10. Januar
Vorwahlen im US-Bundestaat New Hampshire (Primary). Auch bei diesem Termin verhält es sich ähnlich wie eine Woche vorher in Iowa: Kandidaten, die bei der Vorwahl schlecht abschneiden, scheiden oft aus dem weiteren Verfahren aus. Unter Umständen wird die Führung eines Bewerbers schon nach den Wahlen in wenigen Bundesstaaten so klar, dass seine Ernennung auf dem Parteitag nur noch eine Formalität ist. Daher investieren die Kandidaten überproportional viel Zeit und Geld in frühe Wahlkämpfe.
21. Januar
Vorwahlen im US-Bundesstaat South Carolina (Primary)
31. Januar
Vorwahlen im US-Bundesstaat Florida (Primary)
4. Febraur
Vorwahlen im US-Bundesstaat Nevada (Caucus)
6. März
"Super Tuesday" mit Abstimmungen in den folgenden 12 US-Bundesstaaten (Primaries und Caucasuses): Alabama, Alaska, Arizona, Arkansas, Kalifornien, Colorado, Connecticut, Delaware, Georgia, Idaho, Illinois, Kansas, Massachusetts, Minnesota, Missouri, Montana, New Jersey, New Mexico, New York, North Dakota, Oklahoma, Tennessee, Utah, West Virginia.
3. April
Vorwahlen im US-Bundesstaat Texas (Primary)
24. April
Vorwahlen in fünf US-Bundesstaaten, darunter New York und Pennsylvania (Primary)
5. Juni
Vorwahlen in fünf weiteren Bundesstaaten, darunter Kalifornien (Primary)
26. Juni
Letzte Vorwahlen im US-Bundestaat North Carolina und Utah (Primary).
Parteitage
27. - 30. August: Republikaner, Tampa Bay (Florida)
3. - 6. September: Demokraten, Charlotte (North Carolina)
Schlussphase
3. Oktober: Erste von drei TV-Debatten der Kandidaten
11. Oktober: TV-Debatte der Kandidaten als Vizepräsident
6. November: Präsidentschaftswahl, außerdem US-Kongresswahlen
20. Januar 2013
Vereidigung des neuen US-Präsidenten