IWF-Chefin Lagarde

"In dieser Krise ist niemand immun"

IWF-Chefin Lagarde nimmt Deutschland und die Eurozone weiter in die Pflicht. Neben einer Brandmauer gegen Finanzmarkt-Attacken drängt sie zu stärkeren Anstrengungen bei der Krisenbekämpfung.

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IWF-Chefin Lagarde erhöht den Druck auf die EU-Länder.

IWF-Chefin Christine Lagarde hält den Druck auf Deutschland hoch. Die Eurozone müsse dringend eine ausreichend große Brandmauer gegen Finanzmarkt-Attacken errichten, "die Ansteckungen verhindern und Vertrauen bilden kann", sagte Lagarde am Samstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Sie verlangte von den Euro-Ländern größere Anstrengungen bei der Krisenbekämpfung sowie mehr Geld für den IWF.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt die Forderung des IWF nach einer Vergrößerung des künftigen Euro-Rettungsfonds ESM bislang ab. Der ESM soll nach den jetzigen Plänen 500 Milliarden Euro beinhalten.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds forderte außerdem stärkere Anstrengungen für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Haushaltskonsolidierung in Europa. "Es hat sich sehr viel Druck aufgestaut. Der richtige Zeitpunkt für eine Lösung ist jetzt gekommen", sagte Lagarde.

"In dieser Krise ist niemand immun"

Sie warnte vor globalen Risiken, die sich aus den Spannungen in der Eurozone ergeben könnten: "Es ist keine europäische Krise, sondern eine Krise, die Domino-Effekte in der ganzen Welt verursachen kann." In dieser Krise sei niemand immun. Auf den bevorstehenden Euro-Krisengipfel in Brüssel angesprochen sagte die IWF-Chefin, die Vorzeichen für eine Lösung seien gut.

Auf die Frage, weshalb Staaten außerhalb der Eurozone jetzt Unterstützung über den IWF leisten sollten, sagte Lagarde: "Wenn die Brandmauer groß genug ist, wird sie nicht verwendet werden. Wenn sie doch verwendet würde, wären die Einzahlungen eine sehr sichere Investition. Der IWF ist ein sehr sicherer Schuldner."

Vertrauensverlust in den Schwellenländern

Weltbank-Präsident Robert Zoellick sprach von einem gravierenden Vertrauensverlust gerade in den Schwellenländern. Viele hätten mit Unverständnis und sogar mit Verachtung auf die Verwirrung in der Eurozone nach der griechischen Referendums-Ankündigung reagiert. "Die Schwellenländer warten sicher nicht, bis sich die industrialisierte Welt organisiert hat", sagte Zoellick. Sie nähmen die Dinge selbst in die Hand: "Es ist eine offene Frage, wer hier beispielgebend vorangeht."

(dpa, N24)

29.01.2012 11:30 Uhr

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