Brandserie in Berlin

Knapp sechs Jahre für Kinderwagen-Zündler

Ein 29-jähriger Berliner ist für Brandanschläge auf Kinderwagen zu fast sechs Jahren Haft verurteilt worden. Der Zeitungsbote soll aus "Schwabenhass" oder Sozialneid gehandelt haben.

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Die betroffenen Kinderwagen parkten in den Hausfluren von Berliner Altbauwohnungen. (dpa)
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Eine Serie von Brandstiftungen in Berlin muss ein 29-jähriger Zeitungsbote mit fünf Jahren und neun Monaten Haft büßen. Das Berliner Landgericht verurteilte den geständigen Mann wegen schwerer Brandstiftung, Körperverletzung und Sachbeschädigung. Der Berliner sei voll schuldfähig, hieß es. Er müsse aber wegen seiner Depressionsneigung behandelt werden.

Mit ihrem Urteil blieben die Richter unter dem Antrag der Ankläger. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre und vier Monate Haft zur Abschreckung anderer beantragt. Der Ankläger nannte als Motiv des 29-Jährigen einen "gewissen Sozialneid auf junge Leute, denen es besser geht".

Brände verletzten vier Menschen leicht

Vom 15. Juli bis zu seiner Festnahme am 19. August 2011 hatte der Bote während seiner Touren zehnmal Feuer in Berliner Altbauten gelegt. Die Brände wurden schnell entdeckt und gelöscht. Sie hätten jedoch leicht zu einem Inferno führen können, erklärte der Richter. Drei Kinder und eine Frau mussten mit leichten Rauchgasvergiftungen oder Übelkeit behandelt werden.

Sein Geständnis und seine "schwierige Jugend" wurden zugunsten des 29-Jährigen gewertet. Im Prozess hatte er erklärt, er schäme sich. "Es tut mir von Herzen Leid", entschuldigte sich der Mann in seinem Schlusswort bei den Betroffenen. Vor Gericht hatte der Zeitungsbote beteuert, er habe keinerlei Erklärung, warum er gerade Kinderwagen verbrannt habe. Vor der Polizei hatte er neben einer allgemeinen Lebensunzufriedenheit auch Hass auf Schwaben als Motiv genannt.

Übergriffgefahr nicht bedacht

Ein Polizist hatte zuvor als Zeuge gesagt, der Angeklagte habe die reichen Schwaben dafür verantwortlich gemacht, dass der kleine Mann aus dem Kiez verdrängt werde. Der Verhaftete habe viel geweint. Er sei erschrocken gewesen, was alles hätte passieren können, erinnerte sich der Vernehmer im Prozess. Bei seiner Festnahme sei der Mann völlig abgemagert gewesen.

Möglicherweise habe Neid auf die jungen Leute mit einem sorglosen Leben im Bezirk Prenzlauer Berg eine Rolle gespielt, sagte auch die Gutachterin. Der Angeklagte habe zuletzt zurückzogen gelebt. Er habe gearbeitet und gearbeitet. Sein Geld habe er für Drogen ausgegeben. Der Mann habe sich ruiniert.

(dpa, N24)

30.01.2012 18:26 Uhr

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