Angeschlagener Präsident
Nur 16 Prozent halten Wulff für ehrlich
Der Ruf von Christian Wulff ist ruiniert. Nur noch 16 Prozent der Deutschen halten ihn laut einer Umfrage für ehrlich. Für SPD-Chef Sigmar Gabriel ist er daher bereits kein Bundespräsident mehr.
Bundespräsident Christian Wulff hat in der Gunst der Deutschen deutlich verloren. 54 Prozent sprechen sich laut dem Deutschlandtrend der ARD inzwischen für einen Rücktritt aus. Das sind acht Punkte mehr als noch Mitte Januar. Nur 43 Prozent sind für einen Verbleib Wulffs im Amt. Lediglich 16 Prozent halten ihn für ehrlich. Am 19. Januar waren es noch 26 Prozent. Nur noch 22 Prozent sind der Ansicht, der Präsidenten ist glaubwürdig. Ein Minus von neun Punkten. Die schwarz-gelbe Regierungskoalition gewinnt hingegen an Achtung in der Bevölkerung.
Der Umfrage zufolge sind 42 Prozent der Deutschen mit der Arbeit der Regierung zufrieden - so viele wie seit ihrem Amtsantritt nicht. Kanzlerin Angela Merkel kommt mit 64 Prozent auf den besten Wert seit Dezember 2009. Die Union könnte bei einer Bundestagswahl derzeit mit 36 Prozent rechnen, ein Punkt mehr als bei der Januar-Umfrage. Die FDP konnte zwar ebenfalls einen Punkt dazugewinnen, rangiert aber weiter abgeschlagen bei drei Prozent. Die SPD und die Grünen verlieren beide einen Punkt und kämen auf 29 beziehungsweise 15 Prozent. Die Linke käme auf sieben Prozent, ein Plus von einem Punkt. Die Piratenpartei verharrt bei sechs Prozent.
Gabriel: Wulff kein Bundespräsident mehr
SPD-Chef Sigmar Gabriel hält Wulff wegen der Affären für nicht mehr in der Lage, sein Amt auszuführen. "Das einzige Machtmittel eines Bundespräsidenten, die Glaubwürdigkeit seiner Rede, hat Christian Wulff schon ruiniert. Er ist eigentlich schon kein Bundespräsident mehr, er residiert nur noch im Schloss Bellevue", sagte Gabriel der "Sächsischen Zeitung". Gabriel kritisierte, dass der Bundespräsident nicht die Verantwortung für seine Fehler übernehme, sondern sie auf Mitarbeiter abschiebe, um selber im Amt bleiben zu können. "Daran merkt man, dass sich die Maßstäbe von politischer Moral geändert haben - nicht durch die Medien, sondern durch Politiker wie Christian Wulff", sagte der SPD-Vorsitzende.
Dieser Vertrauensschwund treffe auch die Parteien und Politiker, die mit den Affären nichts zu tun hätten. Nach Einschätzung des SPD-Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach ist die Mehrheit der SPD-Spitze der Auffassung, dass Bundespräsident Wulff zurücktreten sollte. Bislang habe man sich in der SPD zurückgehalten, um die Affäre um Wulff nicht zu einer Parteisache zu machen, sagte Lauterbach im ARD-Morgenmagazin. Inzwischen sei man aber in der Partei übergreifend der Meinung, dass Wulff nicht mehr im Amt zu halten sei.
(RTR, dpa, N24)
03.02.2012 08:11 Uhr





