Norwegischer Massenmörder Anders Behring Breivik vor Gericht
 

Anhörung in Oslo

Breivik fordert für sich Ehrenmedaille

Bei einem Haftprüfungstermin hat Anders Behring Breivik seine Taten als "Notwehr" gerechtfertigt. Für den 77-fachen Mord habe er zudem eine Ehrenmedaille verdient, so der norwegische Massenmörder.

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Der Massenmörder Anders Behring Breivik bei der Anhörung in Oslo. Seine Taten rechtfertigte er als "Notwehr". (Bild: AFP)
Video: Psychiatrische Gutachten - Breivik nicht zurechnungsfähig
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Wer ist Anders Behring Breivik? Wer ist dieser Mann, der ohne mit der Wimper zu zucken 76 Menschen tötet? Was steckt hinter dieser Fassade? (dpa)
Neun Jahre plant der 32-jährige Norweger seine Greueltat. Im Internet hinterlässt er Spuren, die den Massenmord ankündigen: Detailliert beschrieben, genau wie sein Täterprofil. Er schreibt ein wirres, ideologisches...(dpa)
...1516-seitiges Manifest, das er "2083. Eine europäische Unabhängigkeitserklärung" nennt. Darin beschreibt er, wie er Europa vor dem Islam und dem Kulturmarxismus retten will. (AFP)
Nur fünf Tage vor seinem Attentat schreibt Breivik seine einzige Twittermeldung: "Eine Person mit einer Überzeugung hat so viel Kraft wie 100.000, die nur Interessen haben." Mehr als...(dpa)
...100 Nutzer retweeten diese Meldung. Niemand ahnt, was dahinter steckt. Sein Facebook-Profil legt er kurz vor seinem Amoklauf an. Er beschreibt sich als Liebhaber klassischer Musik, der gern...(dpa)
...jagen geht und "World of Warcraft" spielt. Von 1999 bis 2006 ist Breivik Mitglied der rechtsliberalen Fortschrittspartei, gehört aber keiner der bekannten rechtsextremen Bewegungen in Norwegen an. (dpa)
Auf diesem Bauernhaus nördlich von Oslo plant der Attentäter den schrecklichen Doppelanschlag. War sein Vorhaben vielleicht vorhersehbar? Im Frühjahr kauft Breivik...(dpa)
...sechs Tonnen Kunstdünger zur Herstellung der Bombe. Niemand schöpft Verdacht, weil er seine "Geofarm" als Agrarhandel für Gemüse und Früchte angemeldet hatte. Auch als Breivik...(dpa)
...bei einem polnischen Unternehmen Chemikalien in Wert von 15 Euro bestellt, wird die Gefahr nicht offensichtlich: Die Menge ist zu gering und die Substanzen stuft die norwegische Polizei als legal ein. (dpa)
In einem Schützenverein in Oslo trainiert Breivik. Zwei Waffen besitzt er - ganz legal. Bei einem Prag-Aufenthalt im vergangenen August will der Massenmörder-in-spe Waffen kaufen. Jedoch...(dpa)
... scheitert sein Vorhaben. Das Schnellfeuergewehr, mit dem Breivik auf der Insel Utoya das Massaker anrichtet, hat er in Norwegen gekauft. Seine Ansichten und Pläne hält er jahrelang vor Freunden...(dpa)
...geheim. Selbst seine Mutter, mit der er zuletzt in diesem roten Backsteingebäude wohnt, bemerkt nichts. Das Viertel gilt als gute Wohngegend. (dpa)
Fassungslos zeigt sich auch sein Vater im südfranzösischen Cournanel. Umzingelt von Polizisten spricht der Ex-Diplomat Jens Breivik über die Kindheit seines Sohnes. Angeblich hatten Vater...(AP)
... und Sohn seit 15 Jahren keinen Kontakt mehr. Zurückgezogen, als "nicht sehr sozial" beschreibt ihn sein Vater. Aber nie habe er "irgendwelche extremen Tendenzen" gezeigt. (AP)
Wie kann ein Mensch so viele Jahre mit einem solchen Geheimnis leben? Ruhig, fast zufrieden sitzt der Killer im Auto, das ihn vom Gericht zurück ins Gefängnis bringt. Warum...(dpa)
...erschoss sich Breivik nicht selbst, wie es Amokläufer oft nach einem Massaker tun? Die Polizei hofft in den nächsten Tagen und Wochen mehr über den Täter und seine Motive zu erfahren. (dpa)
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Norwegen ist von einem blutigen Anschlag erschüttert worden. Ein norwegischer Nationalist ... (AFP)
... ließ im Regierungsviertel von Oslo eine Bombe hochgehen ... (AP)
... und versetzen das Stadtzentrum in kriegsähnliche Zustände, wie Augenzeugen berichten. Unklar ist, ob es einen weiteren Täter gibt. (AFP)
Mehrere Menschen sterben, die Polizei spricht von zahlreichen zum Teil schwer Verletzten. (AFP)
Nur kurze Zeit später richtete der nationalistisch gesinnte Mann auf der nahe Oslo gelegenen Insel Utoya ein wahres Blutbad an. Er verkleidete sich ... (AP)
... als Polizist und erschoss dutzende Menschen. Auf der Insel fand zu der Zeit das Jugendcamp der Arbeiterpartei ... (AFP)
... von Regierungschef Jens Stoltenberg statt. Panisch versuchen sich die Menschen in Sicherheit zu bringen, Dutzende ...
... versuchen, die Insel schwimmend zu verlassen. Die Lage auf der Insel ist vollkommen unübersichtlich.
Erst Stunden später wird das Ausmaß der Tat klar. (AFP)
Augenzeugen berichten von zwei Attentätern auf der Insel, die norwegische Polizei geht zurzeit diesen Hinweisen nach. (AFP)
Der 32-jähriger Anders B. hat Norwegen in einen Schock versetzt. Er soll für den Doppelanschlag in Oslo und dem Sommercamp auf Utoya verantwortlich sein. Die Polizei nahm in fest, er will kooperieren. (AFP)
Fieberhaft versuchen die Rettungskräfte, die Verletzten zu versorgen und Leben zu retten.
Auch in Oslo sind die Helfer sofort zur Stelle... (AFP)
... und versorgen die Verletzten umgehend. (AFP)
Für einige Menschen kommt jede Hilfe zu spät. (AFP)
Die Explosion lässt die Scheiben des Bürokomplexes bersten und ... (AFP)
... zerstört die Häuserfront komplett. (AFP)
Die Straßen sind mit Glassplittern ... (AFP)
... und Bauschutt übersät. Die norwegische Polizei ist im Dauereinsatz ... (AFP)
... und am Rande ihrer Möglichkeiten. (AFP)
Alle 20 Etagen des Regierungsgebäudes sind zerstört. (AFP)
Aus Angst vor weiteren Anschlägen evakuiert die Polizei den Hauptbahnhof. Die Feuwehr löscht die Brände und versucht die Menschen aus den Gebäuden zu befreien. (AFP)
Die Polizei bittet die Bevölkerung zunächst, zuhause zu bleiben ... (AFP)
... um eine mögliche Panik zu verhindern. (AFP)
Die Verletzten werden in die umliegenden Krankenhäuser gebracht, um dort behandelt zu werden. (AFP)
Mutmaßlich löste eine Autobombe die verheerende Explosion aus. (AP)
Es ist der erste schwere ... (AFP)
... terroristische Anschlag in Norwegen. (AFP)
Ganz Norwegen befindet sich in tiefer Trauer. Blumen werden am Explosionsort in Oslo niedergelegt. Für viele ist es unfassbar was geschehen ist. Über ... (AFP)
... 90 Menschen kommen bei den Anschlägen ums Leben und die norwegische Polizei schließt nicht aus, dass die Zahl noch ansteigen wird. (AFP)
Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg ist sichtlich betroffen, als er in einem Hotel in der Nähe von Insel Utoya ankommt. Hier trifft er auf Überlebende und Angehörige des blutigen Massaker. Viele Tote sind weiterhin nicht identifiziert. (AFP)

Bei seinem Haftprüfungstermin hat der geständige norwegische Attentäter Anders Behring Breivik für das von ihm angerichtete Massaker eine militärische Ehrenmedaille und seine Freilassung gefordert. Vor dem Gericht in Oslo bekannte er sich erneut zu der Tötung von 77 Menschen bei zwei Anschlägen im Juli. Dabei bezeichnete er seine Taten als Schlag gegen "Verräter", die Einwanderung mit dem Ziel einer "islamischen Kolonisierung Norwegens" förderten.

Wie bei vorangegangenen Terminen erklärte der 32-jährige Rechtsextremist, er sei nicht im juristischen Sinne schuldig. Gutachter hatten ihn im November für unzurechnungsfähig erklärt, ein weiteres Gutachten wurde angeordnet. Bis zum geplanten Prozessbeginn am 16. April bleibe Breivik in Untersuchungshaft, verfügte der Richter.

Breivik: Anschläge waren "Notwehr"

Bei dem Haftprüfungstermin ist Breivik erstmals öffentlich von einem massiven Medienaufgebot fotografiert und gefilmt worden. Dabei hob der Islamhasser seine gefesselten Hände kurz in Richtung Zuhörer und Medien, was der Verteidiger Geir Lippestad später als "Versuch zu einem rechtsextremistischen Gruß" darstellte. Der erklärtermaßen an öffentlicher Aufmerksamkeit interessierte Attentäter hatte sein Einverständnis für Fotos und TV-Bilder gegeben.

Vor der Haftrichterin Wenche Fliflet Gjelsten, knapp hundert Angehörigen von Opfern und Überlebenden sowie 160 Medienvertretern begründete Breivik seinen Bombenanschlag in Oslo und das Massaker auf der Insel Utøya damit, dass er "in Notwehr" Norwegen vor einer "ethnischen Säuberung" habe bewahren müssen. Breivik sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur NTB: "Ich bin militanter Nationalist. Ich repräsentiere das norwegische Urvolk." Er verlangte seine sofortige Freilassung und nannte das rechtspsychiatrische Gutachten "lächerlich", mit dem ihn zwei Gutachter als nicht zurechnungsfähig eingestuft haben.

Riesiges Medienaufgebot

Norwegens größte TV-Sender übertrugen live, wie Breivik in dunklem Anzug und Schlips den Gerichtssaal betrat. Internetmedien ließen ihre Reporter direkt und nach Möglichkeit wörtlich aus dem Gerichtssaal wiedergeben, was Breivik dort äußerte. Überlebende der Anschläge und Angehörige der 77 Toten haben sich wiederholt kritisch über die massive Medienaufmerksamkeit für den Attentäter geäußert.

(dpa, dapd, N24)

06.02.2012 13:05 Uhr

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