Der Iran und die Bombe

"Der Iran beugt sich nicht dem Druck von außen"

"Der Iran wird die Welt verändern", kündigt Präsident Ahmadinedschad an. Das klingt wie eine Drohung, vor allem in den Ohren westlicher Politiker. Ein Durchbruch im Atomstreit sieht anders aus.

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Irans Ahmadinedschad droht wieder einmal.
Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten. (AP)
Bisher war es eine Befürchtung. Seit dem Bericht der IAEA ist klar: Der Iran hat zumindest bis 2010 an der Entwicklung einer Atombombe gearbeitet. Trotzdem bestreitet... (dpa)
... Mahmud Ahmadinedschad, dass sein Land den Bau einer Atomwaffe plane. Man werde aber die zivilen Nuklearaktivitäten fortsetzen, sagte der Präsident im iranischen Staatsfernsehen. (dpa)
Israel fühlt sich von den atomaren Aktivitäten des Iran bedroht. Auch einen Militärschlag schloss Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nicht aus. Außerdem ist die Regierungsspitze angeblich empört über... (dpa)
... den ehemaligen Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohammed el-Baradei. Nach der Veröffentlichung des neuen IAEA-Berichts werfen sie dem früheren Leiter vor, das iranische Atomwaffenprogramm... (dpa)
... jahrelang gedeckt zu haben. Mark Regev, Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, sagte, er wolle sich zu den Berichten nicht äußern. (dpa)
Ahmadinedschad beschuldigt ebenfalls die UN-Atomenergiebehörde. Seiner Meinung nach sei der aktuelle Gerneraldirektor der IAEA... (dpa)
... Yukiya Amano, der den Bericht veröffentlichte, nur ein Handlanger der USA. Der IAEA-Bericht habe nur das Ziel, den Druck auf den Iran zu erhöhen, so der iranische Präsident. (dpa)
Deutschland setzt ebenfalls auf verschärfte Sanktionen. "Diskussionen über militärische Optionen lehnen wir ab", sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Der richtige Weg für den Iran sei nun, ... (dpa)
... in allen Fragen seines Atomprogramms mit der IAEA zusammenzuarbeiten. Dass Moskaus Geduld nicht unendlich ist, zeigte der Kreml im vergangenen Jahr mit der international begrüßten Zustimmung für UN-Sanktionen gegen den Iran.
Die USA wollen den Druck "verstärken". "Wir schließen nichts aus, wenn es um Sanktionen geht", sagte ein US-Regierungsvertreter. Der IAEA-Bericht habe "große Besorgnis" in Washington ausgelöst.
Der britische Außenminister William Hague hat den Iran zu "ernsthaften Verhandlungen" über sein Atomprogramm aufgerufen. Sanktionen, wie das Einfrieren von Vermögen... (dpa)
... und Reisebeschränkungen für Personen, die mit dem Komplott in Verbindung stünden, seien möglich. Premierminister David Cameron machte aber deutlich, dass Großbritannien keine Aufforderungen zu militärischen Aktionen unterstützen werde.
Der französische Außenminister Alain Juppé versicherte, dass sein Land zu Sanktionen "in nie gekanntem Ausmaß" gegen den Iran bereit sei, sollte Teheran nicht die neuen Fragen zu seinem Atomprogramm beantworten. (dpa)
In einer Erklärung äußerte Juppé, dass die internationale Gemeinschaft den diplomatischen Druck auf eine neue Ebene heben sollte. Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte sich bereits vorige Woche für Sanktionen ausgesprochen.
Video: Iran-Konflikt - Merkel fordert Teheran zu Gesprächen auf

Der Iran steht nach den Worten von Präsident Mahmud Ahmadinedschad vor einem Durchbruch in seinem Atomprogramm. "In den nächsten Tagen wird der Iran der Welt einen sehr wichtigen und sehr maßgeblichen Fortschritt im Nuklearbereich vorstellen", sagte Ahmadinedschad. Damit trotzte er dem wachsenden Druck der USA und der EU, die den Iran mit Sanktionen zur Aufgabe seines Atomprogramms bringen wollen. Das Land steht im Verdacht, an Nuklearwaffen zu arbeiten. Ahmadinedschad betonte, die Islamische Republik werde sich dem Ausland nicht beugen und bekomme die Sanktionen kaum zu spüren. Neue Atomgespräche seien willkommen, sein Land werde aber keineswegs von seiner Position abrücken, sagte der Präsident in einer live im iranischen Fernsehen übertragenen Rede.

In Teheran wie im ganzen Land kamen Zehntausende Iraner zu staatlich organisierten Kundgebungen anlässlich des 33. Jahrestags der Islamischen Revolution zusammen, die den mit den USA verbündeten Schah entmachtete. Die Demonstranten schwenkten iranische Fahnen und skandierten "Tod Israel" sowie "Tod Amerika". An der Kundgebung in Teheran nahm mit Ismail Hanija auch der Chef der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas teil, die den Gaza-Streifen kontrolliert.

Der seit Jahren schwelende Atomstreit hatte sich zuletzt verschärft. Die Europäische Union (EU) will ab Juli kein Öl mehr aus dem Iran einführen und hat die Einlagen der iranischen Zentralbank eingefroren. Damit verstärkt die EU bisherige Maßnahmen der USA, um die mutmaßlichen Vorbereitungen des Iran auf eine Atombombe noch rechtzeitig zu stoppen. Das Ölexportland Iran beteuert, die Atomkraft zu zivilen Zwecken wie Energiegewinnung nutzen zu wollen.

Experten zufolge bekommt der Iran die Sanktionen inzwischen deutlich zu spüren, weil es zu Behinderungen im Handel kommt - nicht zuletzt bei der Einfuhr von Nahrungsmitteln. Wenige Wochen vor den nächsten Parlamentswahlen führt dies zu Versorgungsengpässen und weiter steigenden Preisen für die rund 74 Millionen Iraner.

Doch Ahmadinedschad betonte am Samstag, die Wirtschaft des Landes floriere trotz der Handelsbeschränkungen. Der Iran werde dem Druck standhalten, auch wenn der Westen seine Drohgebärden fortsetze. Der Präsident bekräftigte zudem die offizielle Haltung seiner Regierung, dass sie neuen Atomgespräche aufgeschlossen gegenüberstehe. Die letzte Runde ging vor rund einem Jahr ergebnislos zu Ende, nachdem der Iran seine umstrittene Urananreicherung nicht aufgeben wollte. Uran kann je nach Anreicherungsgrad für den Betrieb von Atomkraftwerken oder aber für den Bau von Nuklearwaffen genutzt werden. "Die iranische Nation wird nicht ein Jota von ihrem Weg abweichen", erklärte Ahmadinedschad mit Blick auf neue Gespräche.

Israel und die USA haben einen Militärschlag nicht ausgeschlossen, sollten die Sanktionen den Iran zur Umkehr bewegen. Der Iran wiederum droht mit der Sperrung wichtiger Schifffahrtsstraßen sowie Angriffen auf Israel und US-Militärstützpunkte im Golf. Wenn der Iran von Israel angegriffen werden sollte, werde der jüdische Staat in Schutt und Asche gelegt, sagte am Samstag ein Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden der halboffiziellen Nachrichtenagentur Fars zufolge. "Tausende unserer Raketen werden Israel angreifen und die 40 Stützpunkte Amerikas in der Region."

(Reuters, N24)

11.02.2012 18:07 Uhr

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