20 Minuten mit Angelina
Wie ist die eigentlich so drauf, die Jolie?
Berlinale. Das heißt Glamour, Stars & Sternchen. Und natürlich tausende Interviews. Viele Promis sind nach einigen Stunden genervt und patzig. Für viele Reporter ein Traum, mal einen VIP zu treffen.
Bodyguards stehen im ersten Stock des Luxushotels Adlon in Berlin. Große Männer, bestimmt zwei Meter groß, mit kräftigen Muskelpaketen. Sie laufen mit ernstem Blick vor den großen Flügeltüren hin und her und machen klar: irgendwo hier in der Nähe muss der begehrte Superstar sein.
Tatsächlich, kurze Zeit später erscheint in einem der Räume Angelina Jolie - 36-jährige Oscarpreisträgerin, Mutter von sechs Kindern und Lebensgefährtin von Brad Pitt. Sie strahlt zu Beginn des Interviews mit der Nachrichtenagentur dpa und anderen Medien übers ganze Gesicht und fragt: "How are you?"
"Ich bin sehr enttäuscht"
Jolie trägt ein schlichtes cremefarbenes Kleid, einen glitzernden Ring und Perlenohrringe. Sie ist dünn, sehr dünn. Was jedoch am meisten überrascht, ist wie entspannt und gut gelaunt sie wirkt. Immerhin stellt sie heute ihr Regiedebüt vor, das während des Balkankrieges spielende Drama "In the Land of Blood and Honey". Dafür musste sie schon einige Kritik einstecken, unter anderem von serbischer Seite.
Die 36-Jährige könnte also aufgeregt sein, nervös. Ist sie aber offenbar nicht. Während sie redet, lacht sie immer wieder auf, gestikuliert mit ihren Händen und scheint so gar nichts mit dem Bild der überspannten Frau gemein zu haben, das einige Medien gerne von ihr zeichnen.
Stattdessen wirkt der Star aus Filmen wie "Tomb Raider" und "Mr. & Mrs. Smith" äußerst sympathisch. Jolie lächelt ihre Gesprächspartner an, hört zu, überlegt und hat dann auch tatsächlich etwas zu sagen: Sie bezieht klar Position, wenn es um menschliche Tragödien in einem politischen Konflikt geht. Zur Situation in Syrien zum Beispiel sagt die Sonderbotschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR: "Ich war wirklich sehr enttäuscht über die Entscheidung von Russland und China. Ich finde, dass etwas getan werden muss."
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"Sie sind großartig"
Was und wie, darauf habe sie keine Antwort. "Ich finde es aber sehr frustrierend, dass es beim UN-Sicherheitsrat die Möglichkeit gibt, dass ein Land sein Veto einlegen kann, gerade wenn es um die Frage geht, aus humanitären Gründen zu intervenieren. Besonders, wenn man wirtschaftliche Interessen hat."
Da verwundert es nicht, dass sich die Schauspielerin für ihren ersten Film als Regisseurin mit dem Balkankrieg ein schwieriges Thema ausgesucht hat. "Ich war schon oft in der Region, aber ich konnte nicht wirklich verstehen, was damals passiert war", erklärt sie. "Das ist einer dieser Konflikte, wo ich die Puzzleteile einfach nicht zusammengekriegt habe. Ich fand, dass die Welt darüber nicht genug sprach."
Dabei gibt sie auch Einblicke in ihre Gefühlswelt. Berichtet, dass sei einmal weinend unter der Dusche stand, weil ihr der Druck und die Verantwortung durch diesen Film zu viel erschienen. Erzählt, wie schwer es ihr - einer mehrfachen Mutter - gefallen ist, eine Szene zu drehen, in der ein Baby umgebracht wird. "Ich habe das nur einmal und mit drei Kameras gedreht - und dann sind wir wieder gegangen."
Ernst wirkt sie auch, als sie nach den Nachteilen ihres Lebens als Hollywoodstar gefragt wird. "Ich bin eine sehr private Person und möchte nicht abgeschottet, sondern in der Welt leben." Das sei jedoch nicht so leicht. "Ich möchte einfach wohin fahren und schauen, wie es da ist. Ein bisschen normales Leben." Das wünsche sie sich auch für ihre Kinder und deswegen schicke sie die manchmal los, ohne selber mitzugehen. Denn nur dann hätten sie eine Chance, unbeobachtet zu leben. "Aber das klappt schon - sie sind großartig", strahlt Jolie, steht auf und bedankt sich für das Gespräch. Schon sind sie vorbei, die 20 Minuten mit Angelina Jolie.
Premiere in Berlin
Ihr Debüt "In the Land of Blood and Honey" erzählt von einer Liebe während des Balkankrieges, wo sich Liebende auf einmal als Täter und Opfer gegenüberstehen. Das Drama war bereits für den Golden Globe nominiert, am Samstagabend sollte es seine Premiere bei den 62. Internationalen Filmfestspielen Berlin feiern.
(dpa, Aliki Nassoufis, N24)
11.02.2012 19:48 Uhr








