Nach Koran-Verbrennung
Drei Tote bei Ausschreitungen in Kabul
Aufgebrachte Afghanen protestieren gegen eine Koran-Verbrennung durch US-Soldaten. In Kabul eskaliert die Gewalt. Die ISAF entschuldigte sich für den Vorfall - es handelte sich dabei um ein Versehen.
Beim Vorgehen der afghanischen Polizei gegen anti-amerikanische Proteste sind am Mittwoch drei Menschen getötet worden. Das teilten die afghanischen Behörden mit. Auslöser der Proteste in der Hauptstadt Kabul war die nach US-Angaben versehentliche Verbrennung von Koran-Schriften durch amerikanische Soldaten. Nach offiziellen Angaben wurden bei Protesten dort und in der afghanischen Hauptstadt Kabul insgesamt mindestens 17 Menschen verletzt. In den beiden Städten und im westafghanischen Herat gingen trotz einer Entschuldigung der US-Regierung Tausende Muslime auf die Straßen.
Die US-Botschaft stoppte alle Bewegungen ihres Personals in Kabul bis auf weiteres. Kabuls Polizeisprecher Haschmat Staniksai sagte, bei Protesten an verschiedenen Orten in der Hauptstadt hätten "Opportunisten" die Demonstrationen infiltriert. Sie hätten Geschäfte angegriffen und "Privatbesitz und einige Fahrzeuge" zerstört. Die Polizei sei verstärkt worden und versuche, die Demonstranten davon abzuhalten, in die Innenstadt vorzudringen. Bereits am Dienstag war es zu Protesten gekommen.
Koran zum Briefeschreiben missbraucht?
Der Oberkommandeur der NATO-geführten Afghanistantruppe ISAF, General John Allen, hatte sich für den "unangemessenen" Umgang mit islamischem religiösen Material, darunter Koran-Ausgaben, entschuldigt, ohne genauere Angaben zu den Vorgängen zu machen. Später räumte er ein, dass "irrtümlich" Ausgaben des Koran verbrannt worden waren. Nach Angaben von US-Vertretern hatte der Verdacht bestanden, dass Häftlinge in dem Gefängnis auf dem Stützpunkt sich Nachrichten in die Koran-Ausgaben geschrieben hatten. Auch die US-Regierung entschuldigte sich.
Allen kündigte eine umfassende Untersuchung an. Zudem sollten alle ISAF-Soldaten von Anfang März an ein Training darin erhalten, wie "angemessen" mit religiösem Material umgegangen wird. Ähnliche Vorfälle hatten in der Vergangenheit immer wieder gewaltsamen Proteste ausgelöst. Muslimen gilt die Verbrennung sowie jede andere Schändung des Korans als Todsünde.
(dapd, dpa, N24)
22.02.2012 12:44 Uhr




