Inzestfall von Amstetten
"Alle Dimensionen gesprengt"
In Österreich hielt ein Vater seine Tochter und mehrere mit ihr gezeugte Kinder jahrzehntelang in einem Kellerverlies gefangen. Inzwischen hat der Mann gestanden. Mitleid hat er nicht.
Der österreichische Familienvater Josef F. hat gestanden, seine Tochter 24 Jahre lang in einem Keller-Verlies gefangen gehalten und immer wieder sexuell missbraucht zu haben. Der 73 Jahre alte Rentner, selbst Vater von sieben inzwischen erwachsenen Kindern, gestand nach Angaben der Polizei außerdem, die Leiche eines der sieben Kinder, die er mit seiner Tochter gezeugt hatte, im Heizkessel seines Haus verbrannt zu haben. Der Sicherheitsdirektor der Polizei von Niederösterreich, Franz Prucher, sagte in der Kleinstadt Amstetten, der erst am Sonntag bekanntgewordene Fall "sprengt alle Dimensionen".
Herrisch, autoritär, bestimmend
Josef F., der von der Polizei als despotischer Patriarch beschrieben wird, hatte in seinem Haus in Amstetten seit 1984 eine von Gewalt und sexuellem Missbrauch geprägte Beziehung zu seiner Tochter Elisabeth. Sie gebar in der Gefangenschaft in einem isolierten, knapp 60 Quadratmeter großen Verlies sieben Kinder, von denen eins nicht überlebte. Mitleid mit den Betroffenen zeigte F. Berichten zufolge nicht. Elisabeth F. sei während der 24 Jahre ohne Tageslicht sehr stark gealtert, sagte Bezirkshauptmann Hans-Heinrich Lenze. Ihr wurde inzwischen vom Ministerpräsidenten Niederösterreichs ein Anwalt zur Verfügung gestellt, der sie vor allem im Umgang mit Medien beraten soll.
Der 73-Jährige Josef F., der am Montag einem Haftrichter in der Landeshauptstadt St. Pölten vorgeführt wurde, muss nach Medienberichten mit einer Anklage wegen wiederholter Vergewaltigung, jahrelanger Freiheitsberaubung, sexuellen Missbrauchs bis hin zum Mord rechnen. Das Ergebnis einer DNA-Analyse dürfte schon in Kürze vorliegen und alle Zweifel an einer Vaterschaft des Mannes beseitigen. Die Polizei beschrieb Josef F. als einen Mann, der herrisch, autoritär und bestimmend auftrat. Die Frau des 73-Jährigen sowie andere Familienmitglieder sagten aus, sie hätten von den unglaublichen Vorgängen im Kellerverlies nichts mitbekommen.
Polizei veröffentlicht Details des Keller-Gefängnisses
Elisabeth F. und fünf ihrer Kinder sind seit Samstagabend in der Obhut von Psychologen. Der Zustand der 19-jährigen Tochter Kerstin, die vor über einer Woche bewusstlos in das Krankenhaus von Amstetten gebracht worden war und damit das Ende des Martyriums für ihre Familie einleitete, wurde von den Ärzten als ernst, aber stabil bezeichnet. In der Nähe der Klinik war der 73-Jährige Josef F. am Samstagabend in Begleitung von Kerstins Mutter festgenommen worden.
Inzwischen veröffentlichte die Polizei Fotos des Keller-Gefängnisses, in dem Elisabeth seit 1984 gefangen war. Nach Einschätzung der Behörden hatte sie keine Chance zur Flucht. Sie lebte dort mit drei ihrer Kinder, der heute 19 Jahre alten Kerstin, Stefan (18) und Felix (5). Diese Kinder lebten seit ihrer Geburt ohne Tageslicht in dem Verlies. Die drei anderen Kinder, Lisa (15), Monika (14) und Alexander (13) wohnten im Haus bei ihrem "Großvater", der sie unter Täuschung der Behörden adoptierte oder als Pflegekinder annahm. Vor allem die sechs Kinder werden nach Einschätzung von Psychoanalytikern eine lange therapeutische Behandlung benötigen.
Natascha Kampusch bietet Hilfe an
Natascha Kampusch (20), die selbst acht Jahre lang in der Gewalt eines Entführers leben musste, will Elisabeth F. und ihren drei mit ihr eingesperrten Kindern helfen. Da sie die Situation der völligen Isolation aus eigener Erfahrung kenne, biete sie der heute 42-jährigen Frau sowohl finanzielle Unterstützung als auch ein Gespräch an, hieß es in einer am Montag veröffentlichten Erklärung. Finanzielle Hilfe will Kampusch der Familie aus den Spendengeldern zukommen lassen, die sie nach ihrer Flucht von ihrem Peiniger für einen geplanten Hilfsfonds erhielt.
Kampusch war 1998 im Alter von zehn Jahren entführt worden und acht Jahre lang von ihrem Kidnapper, Wolfgang Priklopil, in einem Kellerverlies festgehalten worden. Im August 2006 gelang ihr die Flucht. Priklopil beging daraufhin Selbstmord.
(dpa, AP, N24)
29.04.2008 06:44 Uhr





