Kein Sieg über den Hunger
Ernährungsgipfel endet enttäuschend
Zu viele unterschiedliche Auffassungen und Forderungen prallten beim Welternährungsgipfel in Rom aufeinander. Somit endete er nach drei Tagen zäher Verhandlungen ohne konkrete Ergebnisse.
"Der Sieg über den Hunger in der Welt bleibt weiter ein Traum", kommentierte die Zeitung "Corriere della Sera" am Freitag. Zwar einigten sich die rund 180 Teilnehmerstaaten am späten Donnerstagabend nach schwierigen Diskussionen auf ein gemeinsames Schlussdokument, jedoch bleibt dieses vage und beinhaltet keine neuen Strategien oder Verpflichtungen.
Der italienische Außenminister Franco Frattini bezeichnete die Konferenz, an der 40 Staats- und Regierungschefs teilgenommen hatten, als "enttäuschend, wenn man die dramatische Nahrungsmittelkrise bedenkt".
Bei den Schlussverhandlungen über ein gemeinsames Papier hatten vor allem mehrere lateinamerikanische Länder immer wieder Einwände erhoben. So forderte Kuba eine Verurteilung des Wirtschaftsembargos und warf den USA vor, die Landwirtschaft als "Machtinstrument" zu missbrauchen. Argentinien hingegen wollte vermeiden, einen Aufruf zum Abbau von Handelsschranken in das Dokument aufzunehmen, musste jedoch letztlich nachgeben. "Viele Projekte aber ohne jegliche Strategie", titelte die Zeitung "La Repubblica".
Erste Hilfszusagen
In dem Papier werden auch Hilfen für Kleinbauern in den ärmsten Ländern gefordert, die in der bevorstehenden Pflanzzeit dringend Saatgut und Düngemittel benötigten. Immerhin gab es während der Konferenz erste Hilfszusagen mehrerer Teilnehmerländer und Institutionen von 6,5 Milliarden Euro für die 862 Millionen unterernährten Menschen auf der Welt. So versprach die Afrikanische Entwicklungsbank eine Milliarde Dollar (647 Millionen Euro) und Frankreich 1,5 Milliarden Dollar (970 Millionen Euro) in den nächsten fünf Jahren.
Besonders gestritten wurde über die Frage, ob die Produktion von Biokraftstoffen für die internationalen Preiserhöhungen mitverantwortlich ist. Das Abschlusspapier spricht lediglich von "Herausforderungen" und "Möglichkeiten", die mit den Biotreibstoffen einhergingen. "Tiefgehende Studien" seien nötig, damit es keinen Wettbewerb zwischen der Produktion dieser Treibstoffe und der Produktion von Lebensmitteln gebe.
Thema Gen-Lebensmittel bleibt offen
Das Thema genetisch modifizierter Nahrungsmittel zur Bekämpfung des Hungers fehlt in dem Dokument gänzlich. "Der Gipfel endet mit einem Kompromiss-Dokument, das niemanden zufriedenstellt", meinte ein Kommentator.
Die Themen werden auch den G8-Gipfel im Juli in Japan beschäftigen. Zudem bot der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero an, im Herbst in seinem Land ein weiteres Gipfeltreffen zur Nahrungsmittelkrise zu organisieren.
(dpa, N24)
06.06.2008 13:56 Uhr









