Radikaler Umbau
Kommt die Einheitsversicherung?
Es könnte das Ende der Privaten Krankenversicherung sein. Konzerne und Versicherungswirtschaft denken über eine Grundsicherung für alle Einwohner nach. Die SPD untertsützt den Vorschlag.
In der deutschen Versicherungswirtschaft wird über eine grundlegende Neugestaltung der Krankenversicherung nachgedacht. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) plädiere in einem Arbeitspapier für die Einführung einer Einheitsversicherung mit Grundschutz für alle Einwohner. Das berichtete die "Financial Times Deutschland".
Daneben sollten die privaten Kassen Zusatzversicherungen für solche Leistungen anbieten, die der Grundtarif nicht abdeckt. Die bisherige private Krankenvollversicherung, die neben den gesetzlichen Kassen besteht, würde damit abgeschafft. Der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) wies den Bericht als irreführend zurück. Aus der SPD kam hingegen Zustimmung.
Das Konzept der Grundsicherung
Dem Vorschlag zufolge würden die Krankenversicherer laut "FTD" künftig Einheitsprämien berechnen, unabhängig von Alter und Geschlecht. Die Grundsicherung wäre demnach für alle verpflichtend, wie es der SPD-Vorschlag einer Bürgerversicherung vorsieht. Sowohl gesetzliche Kassen als auch private Versicherer würden diese Grundsicherung anbieten, und zwar zu denselben Konditionen.
Alle Anbieter müssten jeden Versicherten akzeptieren, für Kinder würde der Staat die Beiträge zahlen. Langfristig sehe der Vorschlag vor, die Trennung zwischen gesetzlichen und privaten Kassen komplett aufzuheben.
Konzerne dringen zum Umbau
GDV-Sprecher Peter Schwark sagte, es gebe einen Diskussionsprozess über die Zukunft der Krankenversicherung. Dieser dauere aber noch an. Der "FTD" zufolge dringen große Konzerne wie Allianz, Axa und Ergo auf einen Radikalumbau des Gesundheitssystems.
Angst der Privatversicherer
Aus Teilen der Versicherungsbranche gebe es allerdings erbitterten Widerstand gegen den Vorstoß. "Die Kopfprämie wäre durch die Hintertür die Einführung einer Einheitsversicherung in Deutschland und das Ende der privaten Krankenversicherung", sagte der Vorstandschef der Privatversicherung Debeka, Uwe Laue, dem Blatt.
Der PKV-Vorsitzende Reinhold Schulte erklärte, keines der Mitgliedsunternehmen seines Verbandes dringe auf einen Radikalumbau des Gesundheitswesens oder wolle gar die private Krankenversicherung in ihrer jetzigen Form abschaffen. Dem PKV-Verband liege kein verabschiedetes Papier des GDV zur Zukunft der Sozialsysteme vor.
SPD unterstützt Grundsicherung
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wertete das GDV-Papier hingegen als "Schritt in die richtige Richtung". Er sagte zum "Spiegel": "Endlich denken auch die privaten Krankenversicherer darüber nach, wie der deutsche Krankenversicherungsmarkt unbürokratischer und gerechter werden kann."
Die SPD werde beim Umbau der privaten Krankenversicherung gerne mitmachen. Dabei müsse aber der Finanzausgleich zwischen Arm und Reich gewährleistet sein. Zudem müsse es einheitliche Arzthonorare für gesetzlich und privat Versicherte geben. Nur so lasse sich die Zwei-Klassen-Medizin abbauen.
Der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion, Frank Spieth, wertete den Bericht als Eingeständnis, dass das Geschäftsmodell der privaten Krankenversicherung gescheitert sei. Ein Nebeneinander von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen sei überflüssig. "Wir brauchen eine Versicherung für alle, aber niemand braucht die PKV."
(AFP, N24)
10.06.2008 17:47 Uhr





