FORTSETZUNG
Diese Argumente galten für Jahrzehnte – bis vor Kurzem. Die Menschen gewöhnten sich daran, den wertvollen Rohstoff zu verbrauchen, als wäre er unerschöpflich. Mahnungen von Experten, etwa die bahnbrechende Studie des Wirtschaftswissenschaftlers Dennis L. Meadows, sorgten zwar in Fachkreisen für Aufruhr, wirkten sich aber kaum auf den Alltag oder auf das Verhalten der Bevölkerung aus.
Meadows, Leiter einer Gruppe von Zukunftsforschern an verschiedenen Instituten wie dem weltbekannten Massachusetts Institute of Technology (MIT), führte im Auftrag des Club of Rome computergestützte Berechnungen zur Zukunft der Erde durch. Die nach ihm benannte Studie mit dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“ aus dem Jahr 1972, welche die Zukunft der Erde bei ständig steigendem Wirtschaftswachstum simulierte, war beängstigend. Doch erst die Ölkrise ein Jahr später machte vielen bewusst, dass die natürlichen Ressourcen der Erde begrenzt sind und wie jedes knappe Gut immer teurer werden.
Erneuerbare Energien boomen
Inzwischen ist man weltweit zu der Erkenntnis gelangt, dass nicht nur Rohstoffe begrenzt sind, sondern auch der Schutzschild um unsere Erde – die Atmosphäre. Wenn wir den Klimawandel aufhalten wollen, muss die Emission von Treibhausgasen drastisch vermindert werden. Da aber die Weltbevölkerung weiter wächst, wird auch der Stromverbrauch weiter zunehmen – bis zum Jahr 2030 um mehr als 60 Prozent, schätzen Fachleute. Das bedeutet, dass künftig aus derselben Menge der klassischen Energieträger Öl, Gas und Kohle mehr Strom produziert werden muss. Lösungen hierfür gibt es bereits, aber noch werden sie zu wenig genutzt. Würde man alle Kraftwerke weltweit mit der besten verfügbaren Technik ausstatten, ließen sich bereits 2,5 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr einsparen – das Dreifache der Gesamtemissionen in Deutschland.
Doch langfristig muss vor allem der Einsatz erneuerbarer Energien wie Wind- und Wasserkraft, Sonnenenergie, Biomasse und Geothermie vorangetrieben werden. „Strom, umweltfreundlich erzeugt, ist ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz“, so Siemens-Chef Peter Löscher. „Dazu gehört das gesamte Spektrum an Energieträgern und innovativen Technologien.“
Obwohl nach Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) und von Siemens auch im Jahr 2030 der weltweite Strombedarf zu mehr als 50 Prozent aus fossilen Energieträgern gedeckt werden muss, wird sich die Strommenge aus erneuerbaren Energien bis dahin von 581 auf knapp 5600 Milliarden Kilowattstunden fast verzehnfachen. Um diese Mammutaufgabe zu stemmen, fordert die Umweltorganisation der UN, die UNEP, in Anlehnung an den ehemaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt einen „New Green Deal“.
Grünes Wirtschaftswunder
Roosevelt hatte während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren den „New Deal“ initiiert – ein Wirtschaftsprogramm mit massiven öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur. Heute soll ein „New Green Deal“ Investitionen in eine ökologische Wirtschaft fördern, unter anderem in erneuerbare Energien. Dies diene der Verbesserung unserer Umwelt und eröffne Chancen für mehr soziale Gerechtigkeit und damit für eine Stabilisierung unseres Wirtschafts- und Finanzsystems, so die Experten der UNEP.





