Frei durchatmen
Klimaschutz beginnt in den Städten. Hier lässt sich besonders viel CO2 einsparen. Es kann aber auch ohne gehen, wie visionäre Projekte zeigen.
Miami – das verbinden viele mit sonnenhungrigen Rentnern aus den nördlichen US-Staaten, Exilkubanern und der 80er-Jahre-Kultserie „Miami Vice“. Doch die Stadt an der Südspitze Floridas ist viel mehr. Vor allem ist sie grüner als andere US-Metropolen. Das Forbes-Magazin wählte Miami 2008 zur „saubersten Stadt Amerikas“. Ausschlaggebend dafür waren die gute Luftqualität, die ausgedehnten Grünflächen, das saubere Trinkwasser und stadtweite Recycling-Programme.
Ausbau des Nahverkehrs
Dass die südlichste Großstadt der USA einen so guten ökologischen Ruf genießt, ist auch der Verdienst ihres Bürgermeisters Manuel Alberto Diaz. „Ziel ist es, den CO2-Verbrauch bis 2015 um 25 Prozent im Vergleich zum Jahr 2007 zu senken“, kündigt Diaz an. Und so setzt er auf Solarstrom und den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, damit die Bürger Miamis ihre Autos öfter stehen lassen und weniger Treibhausgase verursachen.
Tatsächlich kann Klimaschutz nur in den Städten beginnen, die für 80 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sind. Deshalb setzen Technologiekonzerne wie Siemens genau hier an: „Verstädterung und Klimawandel sind zwei Megatrends, für die wir mit unseren Innovationen wertvolle Lösungen beisteuern können. Mit dem weltweit größten Umweltportfolio können und wollen wir einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, diese Herausforderungen zu bewältigen“, so Barbara Kux, Mitglied des Siemens-Vorstandes und Nachhaltigkeitsbeauftragte des Konzernes. Im Geschäftsjahr 2008 hat Siemens mit seinen Produkten bei den Kunden rund 148 Millionen Tonnen CO2 eingespart – das entspricht den jährlichen Emissionen von New York, London und Hongkong. Die Notwendigkeit, in den Ballungsräumen anzusetzen, haben auch andere US-Stadtoberhäupter erkannt. Dies geht aus der von Siemens mitentwickelten Studie „Metropolitan Infrastructure Sustainability“ hervor.
Das größte technische Potenzial steckt demnach in energieeffizienter Beleuchtung, erneuerbaren Energien und „Smart Grids“, also intelligenten Stromnetzen (siehe Grafik). Letztere machen den Stromverbrauch transparenter und besser steuerbar, wodurch sie zur Energieeinsparung beitragen. Für Smart-Grid-Technologien dürften nach Expertenschätzungen in den nächsten fünf Jahren weltweit rund 100 Milliarden Euro ausgegeben werden.
Was mit modernen Technologien möglich ist, zeigt eine Studie des Wuppertal Institutes für Klima, Umwelt, Energie, die Siemens unterstützt hat: Danach könnte die Stadt München bis zum Jahr 2050 weitgehend CO2-frei werden, wobei sich dieser Begriff in erster Linie auf die Versorgung der Bevölkerung mit Strom und Wärme sowie auf die Verkehrsinfrastruktur bezieht.
All dies ist ohne Einschränkungen der Lebensqualität machbar – allein durch Maßnahmen der Energieeffizienz: Dazu gehören etwa die Wärmedämmung und -rückgewinnung bei Gebäuden, sparsame Elektrogeräte und Beleuchtungen, die verstärkte Nutzung von Bussen, Bahnen und Elektroautos sowie Blockheizkraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung. Ganz abgesehen von der regenerativen Energieerzeugung sowie vom Transport grünen Stromes auch über weite Entfernungen – etwa von Windparks auf hoher See oder Solarkraftwerken in südlichen Ländern.





